{"id":122,"date":"2019-05-02T10:06:20","date_gmt":"2019-05-02T10:06:20","guid":{"rendered":"http:\/\/claudiuscluever.de\/?p=122"},"modified":"2024-10-15T11:56:08","modified_gmt":"2024-10-15T11:56:08","slug":"amaze-2019-games-festival-in-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/claudiuscluever.de\/?p=122","title":{"rendered":"A Maze. 2019: Games-Festival in Berlin (Claudius Cl\u00fcver)"},"content":{"rendered":"\n<p>Games-Festivals sind sehr inspirierend, erhellend, dabei allerdings \u00fcberw\u00e4ltigend. Auf der <a href=\"https:\/\/www.amaze-berlin.de\/\"><em>A MAZE.<\/em><\/a> 2019 traf das insbesondere zu. Es fiel mir insgesamt schwer, mich auf Spiele einzulassen &#8211; gerade solche, die es erfordern, sich ganz eintauchen zu lassen oder eine l\u00e4ngere Zeit zu investieren. (ich habe kein einziges VR-Spiel ausprobiert.) Das Gute daran ist, dass ich mich besonders mit Spielen besch\u00e4ftigt habe, die ich auch im Alltag spielen w\u00fcrde: kleine, experimentelle, seltsame Spiele. Spiele, die auf den ersten Blick zeigen, dass sie anders sind als andere, die zeigen, dass \u201eWitz\u201c am Werk ist. Ebenso Spiele, die von der ersten Sekunde an Spa\u00df machen. Solche Spiele bieten eine bereichernde Erfahrung, auch wenn ich nur, sagen wir, 20 Sekunden lang ins Spiel springe, ein paar Dinge ausprobiere.<\/p>\n\n\n\n<p>\nBesondere\nHighlights sind f\u00fcr mich dabei pers\u00f6nliche Spiele wie <a href=\"http:\/\/instant.bloodirony.com\/fantasticfetus\/index.html\"><em>Fantastic\nFetus<\/em><\/a> und <a href=\"https:\/\/q_dork.itch.io\/consume-me#_=_\"><em>Consume\nMe<\/em><\/a>, die lokale-Multiplayer-Katzen-Party <a href=\"http:\/\/stickycatsgame.com\/\"><em>Sticky\nCats<\/em><\/a>, die Game-Gedichte von <a href=\"https:\/\/project99.itch.io\/project99-1903\"><em>Project<\/em><em>.99<\/em><\/a>,\ndar\u00fcber aber noch der K\u00f6lner GameJam-feel-good-Plattformer <a href=\"https:\/\/giantdoor.itch.io\/derpyconga\"><em>Derpy\nConga<\/em><\/a>. Vielleicht plauderte ich noch kurz mit den Entwicklern\nbevor ich weiter ging.<\/p>\n\n\n\n<p>\nDas\nPlaudern war f\u00fcr mich das zweite Stichwort der Amaze: Vielleicht ist\ndas immer so in Berlin, aber ich bin noch nie auf einer Veranstaltung\nso oft und so leicht mit Leuten ins Gespr\u00e4ch gekommen. Leute neben\nmir drehten sich einfach zu mir um und fragten mich, wo ich her komme\nund was ich von der Veranstaltung hielte &#8211; oder sie erkl\u00e4rten mir\nihr Game. Diese Leute habe ich \u00fcber den Tag immer wieder getroffen,\nsie haben sich immer wieder auf ein Gespr\u00e4ch eingelassen. Ein v\u00f6llig\nFremder erkl\u00e4rte mir bereitwillig die h\u00fcbschen Game-Werbesticker\nauf seinem Laptop, nachdem ich ihn fragte. Zwei Freund:innen habe ich\ndort wieder getroffen, eine zuf\u00e4llig, einen unzuf\u00e4llig. (Also\nverabredet &#8211; Danke f\u00fcr den Hinweis auf das Festival!) Einer der\n<em>neuen<\/em> Freunde lie\u00df mich und den Freund, mit dem ich dort\nverabredet war, seinen Prototypen spielen.  Die sch\u00f6nste\n\u00dcberraschung erwartete mich am Stand f\u00fcr afrikanische Spiele, als\nmir einer der Pr\u00e4sentierenden dort die Spiele erkl\u00e4rte, bis ein\nanderer mich ansprach und mich nach meinem Namen fragte &#8211; weil er\nmich spontan mit wenigen Strichen skizziert hatte! Das alles machte\nden Aufenthalt sehr angenehm wie auch emotional n\u00e4hrend, dabei\nanstrengend. Gerade, weil die meisten Gespr\u00e4che auf englisch waren &#8211;\nnicht so sehr anstrengend, weil ich kein Englisch k\u00f6nnte, vielmehr\nwegen des Findungsmoments zu Beginn vieler Situationen, ob jetzt\nDeutsch oder Englisch zu sprechen sei.<\/p>\n\n\n\n<p>\nWas\ndas \u201eNetworking\u201c angeht, war der Workshop zu Gewerkschaften ihn\nder Spieleindustrie am ergiebigsten, Vernetzung, die sich mal f\u00fcr\nalle lohnt. Ich bin gespannt, was sich auf diesem Gebiet noch ergibt.\nAls n\u00e4chstes werde ich herausfinden, ob dar\u00fcber schon jemand in den\nGame Studies geschrieben hat.<\/p>\n\n\n\n<p>\nInsgesamt\nwar ich in einem Zustand der unaufh\u00f6rlichen, wenn auch unaufgeregten\n\u00e4sthetischen Begeisterung. Ein starker Ausschlag der\nBegeisterungs-Nadel war, als ich darauf hingewiesen wurde, dass Anita\nSarkeesian ein St\u00fcck weiter IN meinem\nSICHTFELD stand. Mein emotionaler Zustand sprudelte \u00fcber, indem ich\ndie verschiedenen Gruppen und Einzelpersonen, die ich f\u00fcr potenziell\ninteressiert hielt, von Anfang an mit Fotos und einzeiligen\nErlebnisberichten versorgte. In der Messenger-Gruppe der\nstudentischen Spieleinitiative <em>USK57<\/em> war zumindest die\nReaktion auf Anita Sarkeesian und <a href=\"https:\/\/giantdoor.itch.io\/derpyconga\"><em>Derpy\nConga<\/em><\/a> in meinen Augen angemessen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\nDie\nAthmosph\u00e4re war auch deswegen willkommen hei\u00dfend, weil es sichtbare\nVielfalt unter Besucher:innen, Moderator:innen und Team gab. Von\nsprachlichen Findungsmomenten habe ich bereits berichtet; ich habe\nPolen kennen gelernt und einen Briten, der in Deutschland lebt, der\nGastgeber der Award Show war aus S\u00fcdafrika, <a href=\"https:\/\/project99.itch.io\/project99-1903\"><em>Project<\/em><em>.99<\/em><\/a>\naus S\u00fcdkorea und so fort. Ohne gez\u00e4hlt zu haben, w\u00fcrde ich zwar\neinen leichten M\u00e4nner\u00fcberhang sch\u00e4tzen, das Geschlechterverh\u00e4ltnis\nschien aber ann\u00e4hernd ausgeglichen, besonders unter den\nModerator:innen. Das einzige, was mir  negativ auffiel, war ein etwas\nniedriger Reflexionsgrad der Milieueinbettung der Veranstaltung: Als\nThorsten S. Wiedemann, der Organisator des Festivals, auf der B\u00fchne\ndas Publikum mit \u201e&#8230;all you beautiful people\u201c ansprach, dachte\nich: \u201eStimmt, er hat recht, mir sind heute hier drin nur\ngutaussehende Menschen aufgefallen.\u201c Das mag daran liegen, dass es\nsich um den Kulturbereich in der Hauptstadt handelt oder daran, dass\ndie Karten einen gewissen Preis hatten, der zwar f\u00fcr Studierende\ng\u00fcnstiger war, aber immer noch nicht g\u00fcnstig &#8211; Wo der soziale oder\nmonet\u00e4re Eintrittspreis hoch ist, dort finden sich im Schnitt besser\naussehende Menschen, denn diese werden im Leben belohnt. In diesem\nMoment habe ich auf jeden Fall sehr pr\u00e4sent gesp\u00fcrt, dass das hier\neben die \u201eschicke\u201c Games-Veranstaltung in Berlin ist und nicht\ndie \u201ekleine\u201c in der Provinz. Games-Kunst mit ganz gro\u00dfem K &#8211; das\nWort \u201eArt-House-Games\u201c fiel mehr als einmal. Das Elit\u00e4re,\nexklusive Kunstsystem war hier nicht etwas, dass es zu \u00fcberwinden\ngilt, sondern etwas, in das Games noch st\u00e4rker integriert werden\nwollen. Anders gesagt lie\u00dfe sich provozieren: Diversity und\n\u00f6konomische Kritik (Gewerkschaften in der Games-Branche) kommen zwar\nbeide vor, werden aber separat voneinander gedacht. Und teilweise\nbleiben sie auch separat von \u00e4sthetischer Praxis.<\/p>\n\n\n\n<p>\nNichtsdestotrotz,\nich habe mich selten auf einer kulturellen Veranstaltung so wohl\ngef\u00fchlt. Zum Vibe habe ich schon etwas gesagt, auch der Zeitplan ist\nzu loben: die verschiedenen Programmpunkte starteten zu\nunregelm\u00e4\u00dfigen Zeiten, was aber nicht zu Chaos oder schmerzhaften\nEntscheidungen f\u00fchrte, sondern eher dazu, dass ich viel mitnehmen\nkonnte und in den Zwischenzeiten viel Zeit hatte, mir die\nausgestellten Spiele anzusehen oder mich mit alten und neuen\nBekanntschaften zu unterhalten. Die Erfahrung war angenehm, gastlich\nund intensiv, ich f\u00fchlte mich erf\u00fcllt mit Inspiration. So erf\u00fcllt,\ndass ich mir die Party ersparte &#8211; Ich spazierte lieber in mein\nHotelzimmer zur\u00fcck, um die Erfahrungen zu verarbeiten und mich zu\nerholen, bevor ich diesen Text auf der Zugfahrt zur\u00fcck schrieb.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Games-Festivals sind sehr inspirierend, erhellend, dabei allerdings \u00fcberw\u00e4ltigend. Auf der A MAZE. 2019 traf das insbesondere zu. 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